Zum Inhalt springen

Rezension zum Vortrag bei der Johannesakademie:Präventive statt repressive Fürsorge

Dass Don Bosco für sein gottvertrauendes Wirken und dessen notwendende Wirkung bereits 1934 als Jugendapostel und Sozialpionier heiliggesprochen wurde, verdankt er untern anderem seinem Leiden in der Welt und durch die Kirche,
Datum:
Veröffentlicht: 19.3.26
Von:
Oliver Kirch

Rezension erstellt von Natalie Bost

Auf Einladung der Erlanger Johannesakademie für christliche Spiritualität und Lehrgestaltung 

referierte der Bremer Diplomtheologe Björn Röhrer-Ertl über salesianische Reformpädagogik, 

die der Turiner Pfarrer Don Johannes Melchior Bosco (1815 – 88) 

aus praktischen Überlegungen und mutiger Tat heraus entwickelt hatte.

 

Dass Don Bosco für sein gottvertrauendes Wirken und dessen notwendende Wirkung bereits 1934 als Jugendapostel und Sozialpionier heiliggesprochen wurde, 

verdankt er untern anderem seinem Leiden in der Welt und durch die Kirche, 

welches alle Heiligen erleben und glaubenstreu überwinden müssen.

Don Bosco verstieß in seinem Tun – ohne je inhaltlich das katholische Fundament zu verlassen - gegen damalige Kirchenregeln, doch hinterher wurde ihm rechtgegeben.

 

Er wurde in einem Turiner Vorort in eine arme Familie hineingeboren und kannte das Leben der Arbeiterklasse durch eigene Anschauung. 

Im beginnenden Industriezeitalter betrachtete man Arbeitskraft als Ware bzw. Ressource,

Kinder und Jugendliche wurden als Tagelöhner ausgebeutet.

Nach getaner Arbeit kärglich bis gar nicht bezahlt zu werden sowie täglich eine neue Hilfsarbeiterstelle finden oder hungern, betteln und stehlen zu müssen,

ließ ihre Perspektive auf eine anständige Zukunft gegen Null schwinden. 

Schulbildung wurde nur wenigen zuteil, in der Ausbildung gab es keine Rechtsvertretung.

Nun erwischte Don Bosco einen lohnsuchenden Maurerlehrling beim Entwenden des Klingelbeutels mit der Kollekte und stellt ihn zur Rede. 

Nach vielen klägliche Antworten, jener sei niemand, könne nichts und niemand wolle ihm Arbeit geben, 

bekam der Seelsorger nur auf eine einzige Frage ein Ja zu hören: “Kannst Du pfeifen?“

Daraufhin stellte Don Bosco den Teenie als neues Kirchenchormitglied ein, besorgte ihm ein Zimmer und einen Platz in der Schule, um lesen und schreiben zu lernen und später eine Arbeitsstelle. Sein Motto "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" begann Früchte zu tragen. 

Er begann, abends auszugehen, um nun aktiv Jugendliche von der Straße zu holen, ihnen einen ordentlichen Platz zum Leben und eine Zukunftsperspektive zu verschaffen.

Dabei wurde der Pfarrer mehrmals überfallen, doch intuitives Vorauswissen sowie Visionen eines Schutztiers, die ihn rechtzeitig warnten, verhinderten das Schlimmste - einmal sogar seine geplante Ermordung, wie Zeugen berichteten. 

Ein „Kastanien-Wunder“ ereignete sich, als der marianisch orientierte Don Bosco mangels Geld für Köche seine Mutter nach Turin holte, damit sie für seine Schützlinge koche. 

Einst röstete sie zu wenig Maronen für das traditionelle piemontesische Gemeinschaftsmahl nach der Friedhofsumgehung an Allerseelen. 

Doch man schöpfte und schöpfte Portionen aus dem Kessel und alle wurden satt.

Versuche klerikaler Torineser Kreise, den „Revoluzzer-Pfarrer“ für verrückt erklären zu lassen, scheiterten kläglich.

Er besorgte „seinen“ Auszubildenden die ersten Arbeitsverträge mit Lohngarantie und baute ihnen ein Oratorium, einen Raum für Katechese, Arbeits- und Spielmöglichkeit. 

Don Boscos Vorliebe für circensiches Spiel, bei dem er selbst mitwirkte, führte dazu, dass bis heute in den Salesianer-Jugendzentren immer irgendwo eine Zirkusaufführung stattfindet.

 

Beruhend auf katholischem Glauben und optimistischem Vertrauen in die Liebenswürdigkeit in jedem Menschen lautete seine orientierungsgebende Erziehungsmethode: 

„Du bist jemand, du wirst geliebt und Du kannst etwas: Jeder und jede hat eine Gabe, die die Welt braucht. 

Du bist willkommen! 

Ich begleite Dich unerschütterlich auf Deinem Weg und verstoße Dich nie. 

Auch wenn Du Dich auf einen meiner Meinung falschen Weg begeben willst, nehme ich Dich ernst, 

lehre Dich meinen Standpunkt und diskutiere mit Dir darüber. 

Ich begleite Dich auch durch Deine Abgründe und Irrwege, wenn es sein muss. 

Nur, wenn Du selber fortläufst, lasse ich Dich los.“

 

Die Salesianer, die Don-Bosco-Schwestern und angeschlossenen Laienvereinigungen der „Don Bosco Familie“ tragen diese Lehre weltweit weiter.

 

Auch die heutige Psychologie lehrt das Freilegen individueller Potenziale zum Wohle der Gemeinschaft, 

welches nicht durch Härte und Ablehnung, Krieg und Gewalt erfolgen kann, 

sondern durch Ermutigung und Beistand, Stabilität und Frieden. 

Elvira Werner als Diplompsychologin und Präsidentin der Johannesakademie freut sich auf weitere Forschung zu diesem Thema.

 

Zum Referenten: Björn Röhrer-Ertl, Jg. 1971, verheiratet, 2 Kinder, wohnhaft im Raum Bremen, ist Diplom-Theologe Univ. und Fachjournalist für Theologie und Politologie. 

Studium der Evangelischen Theologie in Neuendettelsau, München und Erlangen mit privaten Studien der Katholischen Theologie und Politologie, Bankausbildung. 

Veröffentlichungen in den Bereichen Heimatgeschichte und Theologie; freiberuflicher Dozent mit Schwerpunkt Theologische Grundbildung und Nachhaltigkeit/CSR. 

Björn Röhrer-Ertl ist hauptberuflich für Banken in der Complianceberatung tätig:

Hierbei lässt er konsequent salesianische Pädagogik in die Mitarbeiterführung einfließen, da er selbst zwei Salesianerpatres aus dem Kloster Benediktbeuern als langjährige Mentoren hatte.

 

Der Artikel bezieht sich auf Röhrer-Ertls Vortrag „Don Giovanni Bosco: Stelle Dich an die Spitze der Jungen! Nicht mit Schlägen, sondern mit Milde, Güte und Liebe musst du dir diese zu Freunden gewinnen.“

auf Einladung der Erlanger Johannesakademie für christliche Spiritualität und Lehrgestaltung“ am 14.03.2026